Der vordere Kreuzbandriss (VKB-Ruptur)

 

Das vordere Kreuzband zählt zu den wichtigsten Stabilisatoren des Kniegelenks und ein Riss desselben ist eine der schwerwiegendsten und gefürchtetsten Verletzungen im Sport, die eine lange Ausfallzeit nach sich zieht.

Die Anatomie

Das vordere und das hintere Kreuzband verlaufen zentral im Kniegelenk, verbinden den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein und sorgen für die Stabilität des Gelenks. Das vordere Kreuzband verhindert dabei vor allem ein unkontrolliertes Vorschieben des Schienbeins gegenüber dem Oberschenkel und stabilisiert zusätzlich das Knie bei Rotationsbewegungen. Gerade in Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball oder im Skisport wird das Kreuzband daher enormen Belastungen ausgesetzt.

 

Wie kommt es zu einer Kreuzbandruptur?

In den meisten Fällen kommt es zu einem vorderen Kreuzbandriss ohne Fremdeinwirkung bzw. ohne direkten Gegnerkontakt. Typische Situationen sind abrupte Richtungswechsel, schnelle Abbremsmanöver oder eine ungünstige Landung nach einem Sprung. Dabei ist der typische Unfallmechanismus für eine vordere Kreuzbandruptur eine Kombination aus Drehbewegung, Einknicken (Valgusstress) und leichter Beugung des Kniegelenks.

Etwas seltener entsteht die Verletzung durch direkte Krafteinwirkung, beispielsweise bei einem Foulspiel oder bei einem Zusammenstoß. Frauen weisen aufgrund anatomischer, hormoneller und neuromuskulärer Besonderheiten ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Verletzung des vorderen Kreuzbandes auf.

 

Welche Beschwerden treten auf?

Bei der Verletzung wird manchmal ein plötzliches Knack-Phänomen im Knie vernommen und unmittelbar danach können starke Schmerzen auftreten, eine Instabilität des Kniegelenks sowie eine rasch zunehmende Schwellung. Häufig ist das Knie nur eingeschränkt belastbar, so dass sportliche Aktivitäten sofort abgebrochen werden müssen.

Im weiteren Verlauf und bei älteren Verletzungen klagen viele Betroffene vorwiegend über ein Instabilitätsgefühl, teilweise mit „Wegknicken“ des Kniegelenks, insbesondere bei Drehbewegungen oder schnellen Richtungswechseln.

 

Wie wird die Diagnose gestellt?

Nach ausführlicher Befragung des Verletzten hinsichtlich des Unfallmechanismus und der Beschwerden wird das Knie klinisch untersucht, wobei spezielle Stabilitätstests bereits wichtige Hinweise auf eine Kreuzbandverletzung liefern können.

Zur endgültigen Diagnosesicherung wird in der Regel eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt, die nicht nur die Darstellung des Kreuzbandes selbst ermöglicht, sondern auch die Beurteilung möglicher Begleitverletzungen an Menisken, Knorpel oder Seitenbändern.

 

Muss jede Kreuzbandruptur operiert werden?

Nein. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation muss immer individuell getroffen werden. Faktoren wie Alter, sportliche Aktivität, berufliche Belastung, Begleitverletzungen sowie die subjektive Instabilität des Kniegelenks spielen dabei eine wichtige Rolle.

Bei jungen und sportlich aktiven Sportlern, vor allem in Ball- oder Kampfsportarten , wird häufig eine operative Rekonstruktion empfohlen. Ziel ist es, die Stabilität des Kniegelenks wiederherzustellen und das Risiko einer erneuten Verletzung sowie langfristig weiterer Schäden an Menisken und Knorpel zu reduzieren.

Bei Patienten mit geringeren sportlichen Ansprüchen kann in ausgewählten Fällen auch eine konservative Behandlung mit gezielter Physiotherapie und Muskelaufbau erfolgreich sein.

 

Die operative Versorgung

Bei einer Operation wird eine Kreuzbandrekonstruktion, auch Kreuzbandplastik genannt, durchgeführt. Hierfür wird eine körpereigene Sehne als Transplantat verwendet. In der Regel kommen Anteile der Hamstringsehnen, der Patellarsehne oder der Quadrizepssehne zum Einsatz. Das neue Kreuzband wird arthroskopisch assistiert eingebracht und an der anatomischen Position des ursprünglichen Bandes fixiert.

 

Rehabilitation und Rückkehr zum Sport

Mindestens ebenso wichtig wie die Operation ist die anschließende Rehabilitation. In den ersten Wochen stehen die Wiederherstellung der Beweglichkeit, die Schwellungsreduktion und der Muskelaufbau im Vordergrund. Im weiteren Verlauf folgen Koordinations-, Stabilisations- und sportartspezifische Trainingsprogramme. Erst wenn Kraft, Beweglichkeit und neuromuskuläre Funktion ausreichend wiederhergestellt sind, sollte die Rückkehr in den Wettkampfsport erfolgen.

Bis zur vollständigen Rückkehr eines Fußballers auf den Fußballplatz vergehen in den meisten Fällen acht bis zehn Monate. Diese Zeit ist erforderlich, da sich dann auch das sogenannte Remodelling, die biologische Umwandlung des Sehnentransplantates in ein funktionstüchtiges Kreuzband mit den entsprechenden mechanischen Eigenschaften, in einer zumindest fortgeschrittenen Phase befindet. Ein zu früher Wiedereinstieg erhöht das Risiko einer erneuten Verletzung erheblich.

 

Kann man einer Kreuzbandverletzung vorbeugen?

Das Risiko eine Bandverletzung im Knie zu erleiden lässt sich durch gezieltes und regelmäßiges Präventionstraining, das ein fester Bestandteil des Trainingsalltags sein sollte, deutlich reduzieren. Besonders effektiv sind Programme zur Verbesserung von Kraft (insbesondere zur Stärkung der hinteren Oberschenkel- sowie der Hüft- und Gesäßmuskulatur), Sprung- und Landetechnik, Beinachsen, Rumpfstabilität und neuromuskulärer Kontrolle. 

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis