Arthrose

 

Sind unter den Arthrose-Patienten auch Spitzensportler und können diese mit einer solchen Diagnose weiterhin ihren Sport ausüben oder führt eine solche Diagnose öfter zum Ende einer Sportlerkarriere?

Aufgrund der hohen Anzahl an Spitzensportlern unter meinen Patienten sehe ich neben den häufigen akuten Verletzungen und den Überlastungsbeschwerden auch bei den Spitzensportlern oft Arthrose bedingte Probleme.

Die Diagnose Arthrose führt bei einem Leistungssportler keineswegs zwangsläufig zum Karriereende. Sicherlich ist es abhängig von verschiedenen Faktoren, so zum Beispiel der Form und dem Ausmaß der Arthrose, dem betroffenen Gelenk, den Achsverhältnissen, der muskulären Situation oder den Belastungsanforderungen der Sportart, aber das Ziel ist es den Sportler sowohl wieder spiel- bzw. wettkampffähig zu bekommen als auch ihm das Abrufen seiner vollen Leistungsfähigkeit zu ermöglichen.

  

Welche Arthrose-Formen sind bei Spitzensportlern besonders häufig?

Bei Spitzensportlern handelt es sich relativ häufig um posttraumatische Arthrosen, also einer Knorpeldegeneration, die in Folge einer vielleicht sogar operativ versorgten Gelenkverletzung, wie zum Beispiel einem Kreuzbandriss, entstanden ist.

Betroffen sind sehr oft die Knie-, Sprung-, Hüft- und Schultergelenke.

 

In welchen Fällen wird die Gabe von Medikamenten, in Form von Schmerzmitteln oder Hyaluron empfohlen?

Die Therapie muss viele Faktoren berücksichtigen und individuell gestaltet werden. Dabei können sicherlich auch Medikamente, die sowohl schmerz- als auch entzündungshemmend wirken, zum Einsatz kommen. Dies ist vor allem bei einer aktivierten Arthrose sinnvoll. Ob eine Behandlung mit Hyaluronsäure in Frage kommt, muss immer sehr sorgfältig abgewogen werden.

  

Inwieweit lässt sich eine Arthrose mit Hilfe von Medikamenten, Bewegung und Sport aufhalten beziehungsweise lindern und dem Patienten wieder ein normales Leben ermöglichen?

Eine sportliche Betätigung kann sich bei Arthrose-Patienten sehr positiv auswirken, es muss aber vorher genau definiert werden welche Belastungen erlaubt sind und welche vermieden werden sollten.

 

Inwieweit und welcher Sport kann eine Arthrose-Therapie unterstützen beziehungsweise wann wird es zu viel?

Durch Reduzierung des Übergewichtsrisikos sowie Verbesserung der muskulären Kraft, der Koordination und der Gelenkfunktion hat eine moderate sportliche Betätigung in mittlerer Intensität hinsichtlich der Arthrose sogar eine protektive Wirkung. Um die Dosierung individuell abzustimmen und eine Überbelastung zu vermeiden bedarf es zuvor jedoch eine sportärztliche Untersuchung mit Erhebung des Ausgangszustandes und entsprechender Sportberatung.

 

Wann sollte einem Patienten der Gelenkersatz empfohlen werden?

Bevor die Indikation zu einer operativen Versorgung gestellt wird, müssen viele patienten- und krankheitsspezifische Faktoren berücksichtigt und bewertet werden.

Dabei spielt zum Beispiel das Alter des Patienten eine Rolle, seine Vorerkrankungen bzw. Vor-Operationen, sein Allgemeinzustand und sein Aktivitätsgrad.

Liegt, radiologisch nachgewiesen, eine fortgeschrittene Arthrose vor, treten Schwellungen auf, ist die Gelenkfunktion eingeschränkt, ist die schmerzfreie Gehstrecke limitiert, bestehen nicht nur Belastungs- sondern auch Ruheschmerzen, ist der Patient im Alltag und Beruf stark eingeschränkt und ist die konservative Therapie ohne Erfolg komplett ausgeschöpft, kann bei entsprechend hohem Leidensdruck und Einschränkung der Lebensqualität über mehrere Monate die Indikation zu einem Gelenkersatz gestellt werden.

 

Wie viel Sport ist mit einem Gelenkersatz möglich?

Prothesen-Patienten werden immer jünger aber auch ältere Patienten haben immer höhere Ansprüche an Lebensqualität und Beweglichkeit. Eine große Rolle spielt dabei auch der Sport, der unter bestimmten Grundvoraussetzungen und mit gewissen Einschränkungen sehr wohl möglich, sogar dann auch empfohlen ist.

Aufgrund der größeren Gefahr einer Prothesenlockerung sind extreme sportliche Belastungen, vor allem Kontaktsportarten mit unvorhersehbaren Belastungsspitzen oder Sportarten mit dynamischen Rotationsbewegungen nicht erlaubt, aber sportliche Patienten weisen aufgrund des geringeren Übergewichtsrisikos, der höheren Knochendichte und der besseren muskulären Stabilisierung sogar eine geringere Lockerungsrate auf.

Welche Sportarten, evtl. unter besonderer Vorsicht, geeignet sind, muss immer individuell mit dem Patienten besprochen und abgestimmt werden.

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis