Schienbeinschmerzen

 

Schmerzen am Schienbein sind im Fußball in den meisten Fällen auf ein vorausgegangenes akutes Ereignis, wie zum Beispiel einen Tritt, zurückzuführen. Je kleiner im Laufe der letzten Jahre die Schienbeinschoner geworden sind, umso größer wurde diesbezüglich die Gefahr eine schmerzhafte Schienbeinprellung davon zu tragen. Bei ungünstiger und zu großer Krafteinwirkung kann es sogar zu einem Bruch des Schienbeines kommen, was glücklicherweise jedoch eher selten vorkommt.

Während eine Schienbeinprellung in der Regel relativ schnell ausgestanden ist, können Schienbeinschmerzen anderer Ursache den Spieler sehr stark einschränken oder gar zu einem längeren Ausfall zwingen.

 

Eine häufige Ursache: Das Schienbeinvorderkanten- oder Shin splint Syndrom

Beim sogenannten Schienbeinvorderkanten- oder Shin splint Syndrom kommt es, oft bedingt durch eine andauernde Fehlbelastung, zu einer Überlastung der Unterschenkelmuskulatur und nachfolgend zu einer schmerzhaften Knochenhautreizung (Periostitis) an der Schienbeinvorderkante.

 

Die ersten Therapieschritte

In erster Linie gilt es die Belastung anzupassen und evtl. vorliegende muskuläre Dysbalancen (so zum Beispiel ein Ungleichgewicht zwischen einer gut trainierten Wadenmuskulatur und einer oft schwachen, jedoch beim Fußball stark beanspruchten, vorderen Schienbeinmuskulatur) durch entsprechende Übungen auszugleichen.

 

Diagnostik

Durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung und gegebenenfalls auch einer Laufanalyse können weitere mögliche Ursachen festgestellt werden, beispielsweise eine Fehlstatik des Fußes, Verkürzungen, Blockierungen, Beweglichkeitseinschränkungen oder eine dynamische Becken-, Beinachsen- und Sprunggelenksinstabilität. Darüber hinaus sollten bei ausbleibender Beschwerdebesserung im Verlauf, oder bei vorliegenden Hinweisen auch früher, durch entsprechende Zusatzuntersuchungen mögliche anderweitige Diagnosen ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel ein (meistens gutartiger aber symptomatischer) Tumor, eine knöcherne Stressreaktion oder gar ein Ermüdungsbruch.

 

Wichtig: Individueller Therapieplan und Rezidivprophylaxe

Abhängig davon können dann ein genauer Therapieplan (mit unter anderem physiotherapeutischer und physikalischer Behandlung, medikamentöser Unterstützung, einer extrakorporalen hochenergetischen Stoßwellentherapie, ggf. angepasster Einlagenversorgung und Lauf- bzw. Fußballschuhberatung) und ein individuelles Aufbauprogramm festgelegt sowie Empfehlungen zur Rezidivprophylaxe ausgesprochen werden (z.B. gezielte Dehnübungen, spezielle Ernährungshinweise).

 

Fallbeispiel:

Ein 19-jähriger Drittligaspieler (Position: Rechtes Mittelfeld) berichtete über seit vier Monaten bestehende und im Verlauf zunehmende belastungsabhängige Schmerzen am Schienbein seines Schussbeines, die ihn beim Fußballspielen sehr stark und immer mehr einschränkten. Man habe ein Schienbeinvorderkanten-Syndrom vermutet und mittels Salbenverbänden, Kinesiotapes und zuletzt auch einer dreiwöchigen Pause behandelt. Nach Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining traten jedoch erneut die bekannten Beschwerden in gleicher Intensität auf.

Aufgrund dieser Vorgeschichte und vor allem der eher untypischen Lokalisation der Schmerzen wurde eine weitere Abklärung veranlasst, wobei eine ausgeprägte knöcherne Stressreaktion im mittleren Schienbein festgestellt wurde, was als Vorstufe zu einem Ermüdungsbruch zu interpretieren war.

 

Es wurde somit sofort mit einem individuellen Therapieprogramm begonnen, das auch eine medikamentöse Unterstützung beinhaltete und die weiteren Auffälligkeiten aus der körperlichen Untersuchung anging. Von großer Wichtigkeit war zudem der regelmäßige direkte Kontakt zu den Physio- und Sporttherapeuten um die Inhalte der jeweiligen Therapiestufen festzulegen und zu überprüfen.

 

Eine Verlaufskontrolle sechs Wochen nach der Erstdiagnose zeigte bei dann auch subjektiver Beschwerdefreiheit eine komplette Rückbildung der knöchernen Stressreaktion im Schienbein, so dass der weitere Belastungsaufbau stattfinden konnte. Schon zwei Wochen später (diese Übergangszeit konnte gering gehalten werden, da die durchgeführte Therapie auch das Ziel der Vermeidung eines Kraftabbaus und Verlustes der Ausdauerfähigkeit befolgte) konnte der Spieler ohne Probleme wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Zu einem Wiederauftreten der Symptomatik sei es seitdem nicht mehr gekommen, mittlerweile spielt der Fußballer auch in einer höheren Liga.

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis