Muskelverletzungen

 

Fortwährend liest man in den Medien über die Verletzungen der prominenten Sportler, die oft die Muskulatur betreffen. Welche Arten von Muskelverletzungen gibt es?

Muskelverletzungen machen einen erheblichen Teil der Sportverletzungen aus.

Grob muss man bei den rein muskulären Verletzungen zwischen Muskelprellung, Muskelzerrung, Muskelfaserriss, Muskelbündelriss und Muskelriss unterscheiden. Die Muskelverhärtung, den Muskelkater sowie die Muskelentzündung möchte ich zunächst außen vor lassen und ebenfalls die Muskelkrämpfe, die aber in manchen Fällen auch zu gewaltigen Problemen und Einschränkungen führen können und eine sehr detaillierte diagnostische Abklärung bedürfen.

 

Nach welchen Kriterien wird unterschieden um was für eine Muskelverletzung es sich handelt?

Die Beschreibung des Unfallherganges und der Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung, und hier insbesondere der Tastbefund, liefern bereits die ersten Hinweise. In der Folge kann mittels der Ultraschalldiagnostik die Art der Verletzung und deren Ausprägungsgrad bestimmt werden.

Aus der Erfahrung kann ich von Fällen berichten, wo trotz starker Schmerzhaftigkeit und Kraftminderung ein Muskelfaserriss oder eine noch größere Verletzung ausgeschlossen werden konnte oder von Fällen, wo ohne bemerkbares vorhergehendes akutes Ereignis und bei insgesamt nur geringer Symptomatik sogar ein Muskelbündelriss diagnostiziert wurde. Daher führt aus meiner Sicht nur die Kombination der drei oben genannten Kriterien am zuverlässigsten zur richtigen Diagnose, woraus dann die optimale Therapie und die sicherste Prognose hergeleitet werden kann.

 

Welche Muskeln sind am häufigsten betroffen?

Muskelverletzungen können an vielen Lokalisationen auftreten. Am häufigsten sind der hintere und vordere Oberschenkel sowie die Wade betroffen.

 

Wie lange beträgt für einen Profi-Fußballer die Ausfallzeit bei einem Muskelfaserriss?

Diese Frage möchte ich nicht pauschal beantworten, da die Prognose von vielen Faktoren abhängig ist. Wie groß ist beispielsweise der Muskelfaserriss, welcher Muskel oder gar Muskelanteil ist überhaupt betroffen, um was für einen Spielertyp handelt es sich, auf welcher Position spielt er, welches ist sein Schussbein, welche Vorverletzungen hat er, wie ist seine persönliche Situation, in welcher Saisonphase befindet man sich usw.

Außerdem wären dabei weitere Informationen einzubeziehen, die entweder schon vorliegen weil man relativ nah an der Mannschaft ist oder die man erfragen könnte. So zum Beispiel welche Spiele anstehen und wie wichtig diese für die Mannschaft oder den Spieler selber sind, welche Alternativen der Trainer für die vakante Position hat, wie der Spieler auf frühere Verletzungen und Behandlungen reagiert und wie schnell er regeneriert hat oder wie seine Therapietreue ist.

Als Sportarzt sollte man sich diese Gedanken machen und alle Faktoren berücksichtigen um die Ausfallszeit nicht unnötig zu lang aber gleichzeitig das Risiko einer erneuten Verletzung so gering wie möglich zu halten.

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis