Der Muskelfaserriss

 

Muskelverletzungen machen einen erheblichen Teil der Sportverletzungen aus und können abhängig ihres Ausmaßes zu unterschiedlich langen Ausfallzeiten führen.

Bei den akuten (traumatischen) rein muskulären Verletzungen unterscheidet man zwischen Muskelprellungen, Muskelzerrungen, Muskelfaserrisse, Muskelbündelrisse und Muskelrisse. Ab dem Verletzungsausmaß eines Muskelfaserrisses handelt es sich um eine manchmal tast- und spätestens in der Ultraschalluntersuchung auch sichtbare Unterbrechung der Muskelstruktur.

 

Nach welchen Kriterien wird unterschieden um was für eine Muskelverletzung es sich handelt?

Die Beschreibung des Unfallherganges und der Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung des Verletzten, und hier insbesondere der Tastbefund, liefern bereits die ersten Hinweise. In der Folge sollte unbedingt mittels der Ultraschalldiagnostik (Sonographie) die Art der Verletzung und deren Ausprägungsgrad bestimmt werden.

Nur die Kombination aus diesen drei Kriterien führt am zuverlässigsten zur richtigen Diagnose, woraus dann auch die optimale Therapie hergeleitet werden kann.

 

Welche Muskeln sind am häufigsten betroffen?

Muskelverletzungen können an vielen Lokalisationen auftreten. Am häufigsten sind der hintere und vordere Oberschenkel (Hamstrings und Quadriceps) sowie die Wade betroffen.

 

Wie kommt es zu einem Muskelfaserriss und welche Symptome treten auf?

Sehr viele unterschiedliche Faktoren, die vor allem in der Verletzungsprophylaxe von immenser Bedeutung und unbedingt zu berücksichtigen sind, begünstigen eine Verletzungsanfälligkeit der Muskulatur. Der letztendliche Auslöser für einen Muskelfaserriss ist aber dann meistens eine plötzlich auftretende Maximalbelastung des Muskels, zum Beispiel in einem Sprint („high speed running“ – Verletzung) oder durch Überdehnung („stretch“ – Verletzung). Darüber hinaus kann es auch nach einer direkten Gewalteinwirkung, wie bei einer Muskelprellung (Muskelkontusion), zu einem Muskelfaserriss kommen.

Die Betroffenen verspüren oft einen plötzlich einschießenden Schmerz, meistens von einem stechenden oder ziehenden Charakter, und manchmal kann sich auch ein äußerlich sichtbares Hämatom zeigen. Der Muskel ist zudem druckempfindlich und kann bei Widerstandstestungen nicht seine volle Kraft entwickeln.

Zu beachten ist aber auch, dass die Symptomatik sowohl im Moment der Verletzung als auch danach manchmal nur sehr gering sein kann, so dass auch die vom Betroffenen als harmlos empfundene Muskelverletzungen unbedingt sportärztlich abgeklärt werden sollten um eine Zunahme des Verletzungsausmaßes durch eine zu frühe Wiederaufnahme der sportlichen Belastung zu vermeiden.

 

Wie wird ein möglicher Muskelfaserriss akut versorgt?

Wie auch bei anderen Verletzungen müssen die ersten Sofortmaßnahmen, die am Spielfeldrand – wenn nötig – schon durch den Trainer oder einen anderen Teambetreuer durchgeführt werden sollten, das sogenannte PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) berücksichtigen. Hierdurch werden die Schmerzen reduziert, die weitere Einblutung wird vermindert und eine Schadenszunahme mit möglicher Verlängerung der Heilungsphase und etwaigen Spätfolgen kann vermieden werden.

Die Belastung muss sofort abgebrochen, der Muskel gekühlt, durch einen Verband komprimiert und, soweit es möglich ist, hochgelagert werden.

Diese Maßnahmen können schnell und einfach in Kombination angewandt werden. So kann das Bein des Spielers z. B. auf einer Wasserkiste abgelegt, der verletzte Muskel mit einer am besten in Eiswasser getränkten Kurzzugbinde verbunden und durch einen Beutel mit Crasheis oder Eiswürfel gekühlt werden, wobei dieser auch in den Verband integriert werden kann.

 

Wie lange beträgt für einen Profi-Fußballer die Ausfallzeit bei einem Muskelfaserriss?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Prognose von vielen Faktoren abhängig ist. Wie groß ist beispielsweise der Muskelfaserriss, welcher Muskel oder gar Muskelanteil ist überhaupt betroffen, um was für einen Spielertyp handelt es sich, auf welcher Position spielt er, welches ist sein Schussbein, welche Vorverletzungen hat er, wie ist seine persönliche Situation, in welcher Saisonphase befindet man sich usw.

Außerdem wären dabei weitere Informationen einzubeziehen, die entweder schon vorliegen, weil man zum Beispiel als Mannschaftsarzt relativ nah an der Mannschaft ist, oder die man erfragen könnte. So zum Beispiel welche Spiele anstehen und wie wichtig diese für die Mannschaft oder den Spieler selber sind, welche Alternativen der Trainer für die vakante Position hat, wie der Spieler auf frühere Verletzungen und Behandlungen reagiert und wie schnell er regeneriert hat oder wie seine Therapietreue (Compliance) ist.

Als Sportarzt sollte man sich diese Gedanken machen und alle Faktoren berücksichtigen um die Ausfallzeit nicht unnötig zu lang, aber gleichzeitig das Risiko einer erneuten Verletzung so gering wie möglich zu halten. 

 

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis