Chronische Achillessehnenbeschwerden beim Fußballer

 

In vielen Sportarten, insbesondere in Laufsportarten, spielen Achillessehnenbeschwerden eine große Rolle. Nachdem im Laufe der letzten Jahre im Fußball die Laufintensitäten und Laufumfänge deutlich zugenommen haben, haben mittlerweile auch Fußballer immer häufiger mit Problemen an der Achillessehne zu kämpfen. Hierbei handelt es sich meistens um vorübergehende oder chronische Schmerzen, doch kann es auch mal zu einem traumatischen Riss der Achillessehne kommen, was jedoch gesondert hier erklärt wird.

 

Bereits akute Beschwerden an der Achillessehne sollten ernst genommen und adäquat sowie konsequent behandelt werden, da ein Übergang in eine chronische Form droht, was wiederum lange Leidens- und sogar auch lange oder zumindest ungünstige Ausfallszeiten mit sich bringen kann. Beispielsweise musste der tschechische Nationalspieler und Ex-Dortmunder Tomas Rosicky bei der Europameisterschaft 2012 das Viertelfinalspiel gegen Portugal absagen, da ihn hartnäckige Achillessehnenschmerzen außer Gefecht setzten.  

 

Diagnostik

In der Diagnostik und dann auch Behandlung von Achillessehnenbeschwerden müssen mehrere Faktoren einbezogen werden. Art, Dauer und Lokalisation der Schmerzen, begleitende oder vorherige Verletzungen, Platzverhältnisse, Schuhwahl, Laufstil, Trainingspensum und Trainingsintensitäten spielen in der Befragung des Spielers eine wichtige Rolle. In der körperlichen Untersuchung wird unter anderem auf sicht- und tastbare Veränderungen der Achillessehne geachtet, auf muskuläre Dysbalancen im Gesamten, auf die Beinachse (sowohl statisch als auch dynamisch), Beckenkippung, Spunggelenksstabilität und Fußform.

 

Zusätzlich stehen bildgebende Verfahren zur Verfügung wie die Ultraschalluntersuchung, das Röntgen und die Kernspintomographie (MRT). Da es sich bei der Ultraschalluntersuchung um eine nicht-invasive bildgebende Untersuchungsmethode ohne zu befürchtenden Nebenwirkungen handelt und sie alleine schon viele Hinweise liefert, sollte sie vor allem in der Erstuntersuchung nicht fehlen. Abhängig der dann bis dahin erhobenen Gesamtbefunde kann in der Folge darüber entschieden werden, ob eine weitere Diagnostik notwendig ist oder bereits ein erstes Therapieregime aufgestellt werden kann.

 

Ursachen

Mögliche Ursachen für Beschwerden an der Ferse können Erkrankungen (Entzündungen, Degeneration, komplette oder partielle Einrisse) des Achillessehnengewebes oder des Sehnengleitgewebes sein sowie Verkalkungen/Verknöcherungen, knöcherne Ausziehungen am Fersenbein oder Schleimbeutelentzündungen. Dennoch sollten seltenere Differentialdiagnosen wie zum Beispiel Stressreaktionen des Fersenbeins nicht außer Acht gelassen werden.

Ist die Diagnose letztendlich weitgehend gesichert, kann anschließend eine adäquate, gezielte und auf den Fußballer individuell angepasste Therapie stattfinden um ihn so schnell wie möglich und mit dem geringsten Risiko eines Rezidivs oder sonstiger Folgeschäden auf sein gewohntes Leistungsniveau wieder zurückzuführen.

 

Fallbeispiel:

Ein 24-jähriger Bundesligaspieler (Position: Außenstürmer) beklagte 10 Wochen nach erlittener und mittlerweile gut ausgeheilter Aussenbandverletzung am Sprunggelenk seines Schussbeines nun belastungsabhängige Schmerzen an der Achillessehne der Gegenseite. Diese hätten schon einige Tage zuvor begonnen und im Verlauf dermaßen zugenommen, dass er zuletzt nur mit Schmerzmittel trainieren konnte und sogar das letzte Training habe abbrechen müssen.

Die Kenntnis über seine Vorverletzung und seiner bekannt laufintensiven Spielweise lieferten schon wichtige Informationen. In der körperlichen Untersuchung zeigten sich neben dem auffälligen Lokalbefund an der Achillessehne zusätzlich eine leichte Instabilität der Beckenachse und der dynamischen Beinachse sowie ein deutliches koordinatives Defizit bei unauffälliger Fußstatik. Durch die Ultraschalluntersuchung konnte eine Entzündung des Achillessehnengleitgewebes festgestellt werden.

Anhand der erhobenen Befunde wurde ein Therapieregime aufgestellt, das primär die Bekämpfung der lokalen Entzündung beinhaltete, um den Spieler wieder so schnell wie möglich auf den Platz zu bringen. Begleitend wurden die weiteren festgestellten Defizite angegangen, um hierdurch eine langfristige Beschwerdefreiheit zu gewährleisten bzw. das Rezidivrisiko zu minimieren. Eine Einlagenversorgung war in diesem Falle nicht notwendig, es wurde lediglich ein Schuhwechsel angeraten.

 

Der Spieler, der sich sehr streng an die ärztlichen Empfehlungen gehalten hatte und bei dem die Therapie konsequent durchgezogen wurde, konnte schon eine Woche nach Beginn der Behandlung in vollem Umfang am Mannschaftstraining teilnehmen und mit Ausnahme einer gegen Ende der Saison nur zweitägigen Schmerzhaftigkeit bei erneuter Reizung, die sehr schnell in den Griff zu bekommen war, kam es bisher zu keinen Problemen mehr an der Achillessehne.

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis