Der Muskelfaserriss

 

Muskelverletzungen machen einen erheblichen Teil der Sportverletzungen aus und können abhängig ihres Ausmaßes zu unterschiedlich langen Ausfallzeiten führen.

Bei den akuten (traumatischen) rein muskulären Verletzungen unterscheidet man zwischen Muskelprellungen, Muskelzerrungen, Muskelfaserrisse, Muskelbündelrisse und Muskelrisse. Manchmal können zusätzlich auch die entsprechenden Sehnen mitbeteiligt, sprich überdehnt, angerissen oder gerissen, sein. Ab dem Verletzungsausmaß eines Muskelfaserrisses handelt es sich um eine manchmal tast- und spätestens in der Ultraschalluntersuchung auch sichtbare Unterbrechung der Muskelstruktur.

 

Nach welchen Kriterien wird unterschieden um was für eine Muskelverletzung es sich handelt?

Die Beschreibung des Unfallherganges und der Beschwerden sowie die körperliche Untersuchung, und hier insbesondere der Tastbefund und spezielle Tests, liefern bereits die ersten Hinweise. In der Folge kann mittels der Ultraschalldiagnostik (Sonographie) die Art der Verletzung und deren Ausprägungsgrad bestimmt werden. In manchen Fällen kann auch eine Kernspintomographie (MRT) hilfreich sein.

Da es Fälle geben kann, wo trotz starker Schmerzhaftigkeit und einer Kraftminderung ein Muskelfaserriss oder eine noch größere Verletzung ausgeschlossen werden kann oder von Fällen, wo ohne bemerkbares vorhergehendes akutes Ereignis und bei insgesamt nur geringer Symptomatik sogar ein Muskelbündelriss diagnostiziert wird, sollte in der Muskeldiagnostik die Ultraschalluntersuchung nicht fehlen, um relativ zuverlässig zur richtigen Diagnose zu gelangen, woraus dann auch die optimale Therapie und die sicherste Prognose hergeleitet werden kann. 

 

Welche Muskeln sind am häufigsten betroffen?

Muskelverletzungen können an vielen Lokalisationen auftreten. Am häufigsten sind der hintere und vordere Oberschenkel (Hamstrings und Quadriceps), die Adduktoren sowie die Wade betroffen.

 

Wie kommt es zu einem Muskelfaserriss und welche Symptome treten auf?

Sehr viele unterschiedliche Faktoren, die vor allem in der Verletzungsprophylaxe von immenser Bedeutung und unbedingt zu berücksichtigen sind, begünstigen eine Verletzungsanfälligkeit der Muskulatur. Der letztendliche Auslöser für einen Muskelfaserriss ist aber dann meistens eine plötzlich auftretende Maximalbelastung des Muskels, zum Beispiel in einem Sprint („high speed running“ – Verletzung) oder durch Überdehnung („stretch“ – Verletzung). Darüber hinaus kann es auch nach einer direkten Gewalteinwirkung, wie bei einer Muskelprellung (Muskelkontusion), zu einem Muskelfaserriss kommen.

Die Betroffenen verspüren oft einen plötzlich einschießenden Schmerz, meistens von einem stechenden oder ziehenden Charakter, und manchmal kann sich auch ein äußerlich sichtbares Hämatom zeigen. Der Muskel ist zudem druckempfindlich und kann bei Widerstandstestungen nicht seine volle Kraft entwickeln.

Zu beachten ist aber auch, dass die Symptomatik sowohl im Moment der Verletzung als auch danach manchmal nur sehr gering sein kann, so dass auch die vom Betroffenen als harmlos empfundene Muskelverletzungen unbedingt sportärztlich abgeklärt werden sollten, um eine Zunahme des Verletzungsausmaßes durch eine zu frühe Wiederaufnahme der sportlichen Belastung zu vermeiden.

 

Wie wird ein möglicher Muskelfaserriss akut versorgt?

Wie auch bei anderen Verletzungen müssen die ersten Sofortmaßnahmen, die am Spielfeldrand – wenn nötig – schon durch den Trainer oder einen anderen Teambetreuer durchgeführt werden sollten, das sogenannte PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) berücksichtigen. Hierdurch werden die Schmerzen reduziert, die weitere Einblutung wird vermindert und eine Schadenszunahme mit möglicher Verlängerung der Heilungsphase und etwaigen Spätfolgen kann vermieden werden.

Die Belastung muss sofort abgebrochen, der Muskel gekühlt, durch einen Verband komprimiert und, soweit es möglich ist, hochgelagert werden.

Diese Maßnahmen können schnell und einfach in Kombination angewandt werden. So kann das Bein des Spielers z. B. auf einer Wasserkiste abgelegt, der verletzte Muskel mit einer am besten in Eiswasser getränkten Kurzzugbinde verbunden und durch einen Beutel mit Crasheis oder Eiswürfel gekühlt werden, wobei dieser auch in den Verband integriert werden kann.

 

Wie lange beträgt für einen Profi-Fußballer die Ausfallzeit bei einem Muskelfaserriss?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, da die Prognose von vielen Faktoren abhängig ist. In erster Linie wie groß ist der Muskelfaserriss, welcher Muskel oder gar Muskelanteil ist überhaupt betroffen und wie wird dieser beansprucht, um was für einen Spielertyp handelt es sich, auf welcher Position spielt er, welches ist sein Schussbein, welche Vorverletzungen hat er, wie hat er auf frühere Verletzungen und Behandlungen reagiert und wie schnell hat er regeneriert oder wie ist seine Therapietreue (Compliance).

Außerdem wären dabei weitere Informationen einzubeziehen, die entweder schon vorliegen, weil man relativ nah an der Mannschaft ist, oder die man erfragen könnte. Zum Beispiel in welcher Saisonphase man sich befindet, welche Spiele anstehen und wie wichtig diese für die Mannschaft oder den Spieler selber sind, welche Alternativen der Trainer für die vakante Position hat usw.

Als Sportarzt sollte man sich diese Gedanken machen und alle Faktoren berücksichtigen, um die Ausfallzeit nicht unnötig zu lang, aber gleichzeitig das Risiko einer erneuten Verletzung so gering wie möglich zu halten.

 

Dr. med. Simeon Geronikolakis